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10-jähriges Dienstjubiläum des Direktors

 

10 Jahre Direktion – Rück- und Ausblicke

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!

Als ich am 7. Jänner 1992 meinen Dienst als Schulleiter damals noch in der Singrienergasse antrat, war das für mich verständlicherweise das Großereignis des Jahres; es geschah damals aber auch sonst noch einiges auf der Welt, davon ein paar Kostproben:

2 Wochen zuvor war Michael Gorbatschow von seinem Amt zurückgetreten, weil er die zerfallenen Sowjetrepubliken nicht zur Bildung eines gemeinsamen UdSSR-Nachfolgegebildes bringen konnte, dafür wurde Bill Clinton kurz darauf Präsident der Vereinigten Staaten; Marlene Dietrich starb, und auf der anderen Hälfte des Globus, in Südafrika, wurde die Apartheit endgültig abgeschafft und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela in die politischen Entscheidungen eingebunden. Und in Österreich? Da hieß der Bundeskanzler Vranitzky und der Präsident des Stadtschulrates noch Matzenauer ...

Ich freute mich sehr auf die neue Aufgabe, da ich in ihr einen großen Unterschied zu meinen vorangegangenen beruflichen Tätigkeiten als Assistent an der TU, als Lehrer in der Anton-Kriegergasse, besonders aber als pädagogischer Referent des Stadtschulrates sah: Ich wollte in überschaubarem Rahmen Verantwortung tragen und die Möglichkeit zum Gestalten haben  - und ich wollte über längere Zeit hindurch auch die Wirkungen der eigenen Tätigkeit wahrnehmen können.

Zugleich setzte ich auf Teamarbeit als wichtiges Prinzip – das wurde mir einerseits leicht gemacht, da ich einen sehr engagierten, loyalen gleichzeitig überschaubaren Lehrkörper mit 61 Lehrer/innen vorfand. Das Kollegium vergrößerte sich durch das Wachstum der Schule zunächst langsam, dann eher explosionsartig, Engagement und Loyalität – sowohl nach innen als auch nach außen – blieben aber trotz der großen personellen Veränderungen auf wunderbare Weise erhalten bzw. verstärkten sich noch; dafür sei besonders jenen 30 „alten Hasen gedankt, die heute noch an der Schule sind und denen all die Jahre die Integration der neuen Kolleg/innen ein Anliegen war, aber Dank auch an die vielen „Junggedienten, die mit so viel Eifer und Begeisterung an die Sache herangehen. Mittlerweile sind wir zu einem Team von 109 Lehrer/innen angewachsen und trotz der Jahre dennoch sehr jung geblieben. Unser Durchschnittsalter hat sich trotz des sichtbaren Alterungsprozesses von über 40 Jahren auf derzeit 39,2 Jahre verjüngt.

Teamarbeit wird dem Schulleiter durch die vorgegebenen Verwaltungsstrukturen nicht gerade leicht gemacht, die österreichischen Bestimmungen gehen nämlich noch immer vom Bild des Schulleiters als eines einsamen Kämpfers aus ...die einzige offiziell gebilligte, vom System vorgesehene akademische Hilfe hieß nicht zufällig bis vor einigen Jahren administrative Hilfskraft; in anderen Ländern wird die genau gleiche Funktion z.B. administrative Leitung genannt, daneben gibt es andernorts zudem eine pädagogische, eine kaufmännische Leitung, die Schule wird ganz selbstverständlich von einem Team geleitet etc. – nicht so bei uns in Österreich:

Das österreichische Prinzip führt außerdem u.a. dazu, dass jede Vergrößerung der Schule voll auf die persönliche Arbeitbelastung des Schulleiters durchschlägt und sie unverhältnismäßig stark vergrößert; gibt es im Bereich Administration, Sekretariat und Schulwarten für größere Schulen doch größere Ressourcen, so bleibt beim Schulleiter alles beim alten.

Was bei meinem Amtsantritt im Jänner 1992 noch keineswegs sicher war, nämlich die Übersiedlung der Singrienergasse in die neu errichtete Schule in der Draschestraße, ereignete sich dann 1998/99: eine kurze Erinnerung an die Freuden und Leiden der Planungs-, Bau- und Übersiedlungs- bzw. Pendelphase dürfen an dieser Stelle natürlich nicht fehlen; wer damals dabei war, weiß, dass unser großes Engagement für unsere Schule bei dieser Gelegenheit von Politik und Schulverwaltung beinhart ausgenutzt worden ist – ich erinnere nur daran, dass es z.B. für die Leitung und Verwaltung der Dependance Singrienergasse keinerlei finanzielle Mittel gab! Die persönliche Belastbarkeit stieß mitunter an Grenzen, aber im Nachhinein können wir wohl behaupten, dass wir diesen Abschnitt mit Bravour gemeistert haben.

Ich habe mich dennoch immer bemüht, die Möglichkeiten der Teamarbeit unter den gegebenen Rahmenbedingungen auszuschöpfen, und ich bin stolz auf mein Team, ohne das unsere Schule natürlich niemals so gut dastehen würde, wie sie es allem Anschein nach – siehe die Anmeldezahlen, Rückmeldungen von Schüler/innen und Eltern etc. -  tut! Die professionelle Kooperation von Administration, Sekretariat, Schulärztin und Schulwarten bietet das Fundament, auf dem die pädagogische Arbeit des Kollegiums greifen kann.

Besonders herausstreichen möchte ich in diesem Zusammenhang die enge, traditionell an unserer Schule sehr gute Kooperation mit der Personalvertretung. Auch die Zusammenarbeit mit den anderen Gremium der schulischen Mitbestimmung, dem Schulgemeinschaftsausschuss und dem Elternverein, ist mir sehr wichtig, und auch da, glaube ich, haben wir in den letzten 10 Jahren sehr gute Arbeit geleistet.

Was ich mir auch vor 10 Jahren vorgenommen habe, war und ist, die Kollegen und Kolleginnen zu ermuntern und zu unterstützen, wenn sie pädagogisches Neuland betreten, wenn sie etwas ausprobieren, kurz, wenn sie innovative Pädagogik praktizieren, wobei auch Fehlermachen erlaubt sein sollte. Ich hoffe, dies ist mir - auch aus Ihrer Sicht – gelungen.

Erfolgreiche pädagogische Projekte der letzten 10 Jahre waren - zunächst noch in der Singrienergasse – unter vielen anderen:

  • das Projekt Soziales Lernen;
  • das Gymnasium mit Französisch ab der 3. Klasse;
  • die neuen Fächer im Rahmen der Schulautonomie - experimentelles Arbeiten und Informatik - verbunden mit der Beibehaltung der Stammklassen von der 1. bis zu 4. Klasse; daneben hat das GRg 12 Singrienergasse als erstes Gymnasium Wiens die finanzielle Autonomie ausprobiert;
  • die Integrationsklassen;
  • Evaluation - bereits im Schuljahr 1992/93 führten wir eine Schulklimaerhebung durch, die sehr positive Ergebnisse brachte und die ca. 5 Jahre später wiederholt wurde;
  • der Schulversuch Ethik

Die tiefgreifendste Innovation am neuen Standort stellte dann sicherlich die Eröffnung des bilingualen Zweiges dar. Hier hat diese Schule wahrlich Pionierarbeit geleistet, ja, sie tut es noch! Ich denke dabei an die erste bilinguale Matura, die heuer hier stattfinden wird. An dieser Stelle möchte ich den Hauptbeteiligten besondere Anerkennung aussprechen für das, was sie da in relativ kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben.

Keinesfalls darf ich aber in meinem Resümee auf die vielen Anlässe zum Festefeiern und zu gemeinsamen außerschulischen Unternehmungen vergessen, ich sehe sie als einen Eckpfeiler unserer Schulkultur an. Sie sind auch immer wieder bildlich festgehalten worden – hier eine kleine Auswahl:

Gäste unserer Tschechischen Partnerschule (im alten Schulkeller des GRg 12/Singrienergasse)
Das Geld war auch schon 1995 knapp: Der Direktor verfliest mit Hilfe von Schülern und Lehrern einen Kellerraum, der ein Videoraum wird
Die Pfingstreise 1996 führte eine Gruppe von Lehrer/innen nach Florenz
Das Schlussfest 1996 fand am Bauplatz unserer neuen Schule statt
Zum 40. Geburtstag von Prof. Mag. Margit Hötzel zeigt OStR Dr. Jörg List wie man sich am besten fit hält
Das Schlussfest im Schuljahr 1997/98 fand bereits in der Freiluftklasse der neuen Schule statt
Der Lehrerchor singt 1999 besinnliche Weihnachtslieder
Nach dem anstrengenden 10. Schuljahr als Direktor ist Dir. Dr. Anzböck zwar erschöpft....

Es gäbe noch viel zu rekapitulieren, tragische und lustige Ereignisse, schöne Erfolge, empfindliche Rückschläge und Anekdoten aus Absurdistan, aber nach reiflicher Überlegung ist mir klar geworden, dass gerade die stärksten Gschichterln aus verschiedenen Vor- und Rücksichten hier und jetzt nicht zum Besten gegeben werden können – vielleicht bei meiner Pensionierung! Lieber möchte ich abschließend in die Zukunft blicken und die Frage stellen, was die Voraussetzungen dafür sind, dass Manager langfristig ihre Arbeit motiviert ausführen? Die Motivationsforschung nennt drei solcher Voraussetzungen:

  • ein gewisses Maß an echter eigener Einflussmöglichkeit wird wahrgenommen,
  • im Gesamt-Unternehmenszweck wird auch persönlich Sinn gesehen,
  • die Zusammenarbeit findet nach klaren Regeln statt.

Als nun mein zehnjähriges Dienstjubiläum herannahte, habe ich mich ernsthaft gefragt, ob diese Voraussetzungen bei mir noch gegeben sind...

Wir sind derzeit einem rauhen bildungspolitischen Wind ausgesetzt, und entschlossener, klug durchdachter Widerstand und Solidarität untereinander sind ein Gebot der Stunde; aber trotz häufig wiederkehrender Zweifel an den und Verzweiflung über die Handlungsweisen und Entscheidungen der übergeordneten Instanzen Unterrichtsministerium und Stadtschulrat – kann ich doch sagen, dass ich in der glücklichen Lage bin, in meinem Job immer noch alle drei Kriterien erfüllt zu sehen: eigene Gestaltungsmöglichkeit, Sinnhaftigkeit unseres gesellschaftlichen Bildungs- und Erziehungsauftrages und animierendes Teamwork.

Dass das so ist, ist zu einem guten Teil Ihrer aller Verdienst – dafür möchte ich Ihnen nochmals ganz herzlich danken, und ich wünsche mir und uns, dass auch unsere zukünftige Zusammenarbeit unter einem so guten Stern stehen möge!